AOK- Katalog Kunst trifft Gesundheit

von Steffen Blunk

Große Leinwände stehen an den Wänden, einige stark farbig, fröhlich, andere wirken melancholisch und fast ein bisschen düster. Man ahnt den Ent- stehungsprozess: Farbe floss über die Leinwände hinweg, in alle Richtungen, Schicht um Schicht. Manchmal breitete sie sich pfützenartig aus, hinterlässt kleine Tümpel oder Teiche, mitunter bleiben Rinnsale, Bäche. An anderer Stelle bildeten sich Schlieren in den Farbpfützen wie Öl auf Wasser.

Und stets geht es in den Bildern der Berliner Künstlerin Annelen Käferstein ja auch um Wasser. Manchmal ist es, als tauche man hinein, dann meint man, Unterwasserwelten zu sehen, vielleicht Pflanzen oder längst Untergegangenes.

Auf anderen Bildern wieder ist es, als spiegelten sich Sonne und Wolken über dem Wasser. Geisterhafte Wesen scheinen um einen zu schweben wie in Brechts Gedicht „Vom Schwimmen in Seen und Flüssen“: „Der Himmel bietet mittags große Stille. / Man macht dieAugen zu, wenn Schwalben kommen. /Der Schlamm ist warm. Wenn kühle Blasen quellen / Weiß man: Ein Fisch ist jetzt durch uns geschwommen.“

Annelen Käferstein hat von 1994 bis 2000 Kunst an der Universität der Künste Berlin studiert und ist Meisterschülerin von Prof. Henning Kürschner. Zur Kunst, zur Malerei hat es sie früh gezogen, auch zum Wasser: „Ich fand es schon immer faszinierend, sich seinen eigenen Kosmos zu erstellen. Und ich habe ganz frühe Erinnerungen an einen Blick unter Wasser, als ich das erste Mal im Mittelmeer getaucht bin. Das war eine für mich prägende Vision. Das Schwerelose, aber auch, dass es relativ ist, was vorne ist und was hinten oder oben und unten.“ Im Arbeitspro- zess entsteht ein Bewusstseinsstrom, in dem „alles in jedem Moment neben- einander liegt: Erinnerungen, Wahr- nehmungen, Hoffnungen, Schönes, Lustiges und Trauriges“.

Für Annelen Käferstein hat die Auseinan- dersetzung mit Farbe, mit ihrem Fließen und Wogen, viel mit dem Unbewussten zu tun. In der Serie „Solaris“, mit der sie sich für den AOK-Kunstpreis beworben hatte, sind die malerischen Flächen von fast realistischen Fragmenten und ein- gearbeiteten Collagen durchsetzt. „Das sind Erinnerungsfetzen von Räumen und Landschaften. Die Bilder haben etwas Anekdotenhaftes.“ In Stanislaw Lems Roman „Solaris“ ist es ein Ozean als le- bendiges Wesen, der Menschen zu ihrem eigenen Unterbewussten führt und sie

in eine Auseinandersetzung mit längst Vergangenem zwingt. „Mich interessieren Bilder, in denen etwas Traumhaftes entsteht und deren Rätsel sich Erklärungsversuchen entziehen.“